NEDS Working Paper 5 Luks/Höhler (2004): Die ökonomische Konstruktion ökologischer Wirklichkeit: Vorarbeiten, Thesen und Konkretisierungen zum Expertendiskurs der "Nachhaltigen Entwicklung" Zusammenfassung In diesem Paper gehen wir den Fragen nach, auf welchen Grundlagen die Probleme benannt und evident werden, auf die "Nachhaltigkeit" eine Antwort geben soll, und welche Lösungsstrategien auf Grundlage dieser Evidenzen als "nachhaltig" konzipiert werden. Unter dem Titel der "ökonomischen Konstruktion ökologischer Wirklichkeit" argumentieren wir die These, dass die Wahrnehmung der natürlichen Wirklichkeit, auf deren Existenz eine "nachhaltige Entwicklung" zugeschnitten wurde, wesentlich auf ökonomischen Rationalitäten fußt. Anhand neuerer wissenschaftstheoretischer Ansätze explizieren wir, wie "Natur" und "Umwelt" in einer ökonomisch dominierten Perspektive, die "Wachstum" und "Ressourceneffizienz" betont, als evident konstruiert werden. Am Beispiel des Brundtland- Berichts Unsere Gemeinsame Zukunft der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung aus dem Jahre 1987 fragen wir, wie eine Argumentation in der Tradition des Natur-Kultur- Dualismus der Moderne die diskursive Fassung von "Natur" als bewirtschaftbare knappe Ressource befördert und damit eine historische Weichenstellung für die möglichen Bedeutungen des neuen Begriffs des "Sustainable Development" vorgenommen hat. Unsere Lektüre des "Brundtland-Berichts" stellen wir im Rahmen von sieben Thesen zur Diskussion, die darlegen, wie ökonomische Logik, natur- und technikwissenschaftliche Erwartungen und juridische, administrative Regelungen ineinander greifen und wesentlich zu einer diskursiven Fassung von Nachhaltigkeit als Managementproblem beigetragen haben. Abschließend problematisieren wir, dass diese Fassung von Nachhaltiger Entwicklung weder für die wissenschaftliche noch die politische Auseinandersetzung mit Nachhaltigkeit folgenlos geblieben ist, und stellen Überlegungen an, welche Forschungsdesiderata sich daraus ergeben. Summary This paper pursues the questions, first, on what grounds the problems which "sustainability" answers have been drafted and made evident; second, which solutions and strategies have been preferred as being "sustainable" on the basis of this evidence. Under the heading of "the economic construction of ecological reality" we argue that the perception of natural reality, on which "sustainable development" was founded, has substantially been based on economic rationalities. Following recent approaches from science theory and science studies we explore how "nature" and "environment" have been given evidence in an economically dominated perspective stressing "growth" and resource "efficiency". Taking the example of the report Our Common Future delivered by the World Commission on Environment and Development in 1987 we inquire how an argumentation based on the modern nature-culture-dualism promoted a discursive view on "nature" as a limited and marketable resource and thereby historically shaped and limited the possible meanings of the new concept of "sustainable development". We propose to discuss our reading of the "Brundtland-Report" framed in seven hypotheses, which present how the logic of economics, the expectations from natural sciences and from technology and juridical and administrative regulations were intertwined to contribute fundamentally to a discursive framing of sustainability as a management problem. In conclusion, we investigate the significant effects this concept of sustainable development had on the scientific and political negotiations of sustainability and reflect on subsequent research questions.